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Lies das folgende Kapitel aus dem Roman »Spukhafte Fernwirkung« und nimm es als Ausgangspunkt für deinen eigenen Text. Durch Klick auf den Button hat du viermal die Möglichkeit einen neuen Textausschnitt anzufordern.

1995
[Vorderseite]

1 Kilo Äpfel (Gala)
1 Salami
1 Säckchen Zwiebeln
4 Gurken
¼ Kilo Speck
3 Möhren
l Lauch
3 Flaschen Roten
2 Packungen Butter
7 Joghurt (Kirsch-Banane)
2 Packungen Klopapier
1 Pfund Rind

10:01 Uhr
Satelliten

Das Start-up läuft so gut, dass Frederic schon darüber nachdenkt, weitere Räume anzumieten, jeden Morgen dreht er seine Runde durch den vierten Stock und schaut in die Gänge und grüßt alle gut gelaunt, alle sollen so fröhlich sein wie er. Es muss kein großer Raum sein und er muss auch nicht direkt neben dem angemieteten 6-Zi-Büro liegen, wozu gibts das Internet und die Kantine und außerdem haben Menschen Beine, wenn sie von A nach B möchten, oder einen Rollstuhl, einen Scooter oder ein Rollerboard, auf denen Menschen sich wie Satelliten durch das Gebäude bewegen, Frederic liebt Satelliten, sie sind eigenständig und doch Teil des Ganzen, die Satelliten haben sein Start-Up groß gemacht und werden es noch größer machen, es war die beste Idee überhaupt, überhaupt hat Frederic die besten Ideen, gut dass er eine Förderung für sein Start-Up bekommen hat, die gute Idee allein reicht nämlich nicht aus. Man braucht auch Mittel, um sie umzusetzen. Und man muss expandieren, so früh wie möglich und so zukunftssicher wie möglich, das sagt ja schon der Name Start-up. Guten Morgen, sagt Frederic und schüttelt seine langen Haare, die ihm frisch gewaschen auf den Rücken fallen, guten Morgen allerseits, und die Satellitenkonferenz kann beginnen.


Das Jahr muss 365 Tage haben, aber es hat, wenn es nach den Mondphasen und den Sonnenauf- und Sonnenuntergängen ginge, nur 354 Tage. Es geht aber nicht nach den Mondphasen und den Sonnenauf- und -untergängen. Es fehlt Zeit und die Zeit, die fehlt, wird hinzugefügt. Die fehlende Zeit ist tote Zeit. In manchen Zeitsystemen sind es zwölf tote Tage. In anderen fünf oder vier, liest der Junge. Meistens sind es zwölf. Zwölf Epagomene. Auch der Schalttag ist ein Epagomen. Im Revolutionskalender der Französischen Revolution nannte man die toten Tage Sansculottiden. Die Sansculottiden sind nach den Sansculottes benannt, das sind Menschen, die keine Kniebundhosen tragen können, weil sie keine Adeligen sind, deshalb sind sie Menschen ohne Kniebundhosen. Kniebundhosen sind culottes, ohne sind sie sans. Um die Kontrolle über die Mondphasen zu erlangen, haben die Revolutionäre den Jahren die zusätzlichen Tage angezogen, und plötzlich hatten die Jahre lange Hosen an, wo sie vorher ohne lange Hosen waren, wo sie vorher nur Kniebundhosen anhatten. Die Sterblichkeit der Sansculottes war hoch, vielleicht so hoch wie die der Sansculottiden. Einer wie du kommt hier nie wieder raus, denkt der Junge.


Wenn Channa Syed keine bezahlten Online-Kommentare für Visuals of London schreibt, versucht sie sich – unbezahlt – auf ihren Bachelor vorzubereiten. Sie findet es ein bisschen unfair, dass im Gegenzug der Bachelor sich nicht auf sie vorbereitet, warum muss alles immer so eingleisig ablaufen. Seit der Frühen Neuzeit bricht das hierarchische Gesellschaftsmodell zusammen, angeblich, nur ist das noch nicht in Channa Syeds Leben angekommen, warum eigentlich nicht. Und wieso eigentlich Frühe Neuzeit? Channa findet es der Neuzeit gegenüber unfair, sie bereits jetzt, wo sie noch nicht einmal zu Ende ist, in Frühe, Jüngere und Neueste Neuzeit einzuteilen. Was wenn die Neuzeit noch ewig dauert – was durchaus wahrscheinlich ist, denn welche Zeit soll der Neuzeit bitte noch folgen? Es ist schon siebzehn Uhr, und Channa hat erst zwei Seiten Fachliteratur gelesen, und noch keinen einzigen Satz geschrieben, abgesehen von den beiden Sätzen auf der Produktseite von Visuals of London. Waschen muss sie auch noch. Abgabeschluss ist in vier Wochen. Einerseits ist die Zeit ewig, zumindest die Neuzeit, andererseits rast sie.

Was interessiert dich an dieser Szene? Eine der Figuren? Der Ort? Ein bestimmtes Wort? Es kann auch sein, dass du ein Gefühl ausdrücken möchtest, eine Stimmung, die dich bewegt. Oder etwas, das du beobachtet hast und dich vielleicht schon länger beschäftigt.

Und noch etwas: Mach dir keine Sorgen um Grammatik und Rechtschreibung, etwaige Fehler werden von der 4. Perspektive korrigiert.

BEREIT?

Wo spielt deine Szene? Wähle einen Ort oder erfinde einen neuen. Du kannst auch Orte aus dem vorgeschlagenen Text nehmen.

Wer ist die Figur in deinem Text? Wähle eine Figur oder erfinde eine neue. Du kannst auch Figur(en) aus dem vorgeschlagenen Text nehmen.

Was mag deine Figur, was mag sie nicht? Wähle Vorlieben und Abneigungen aus oder denke dir selbst etwas aus, das zu deiner Figur passt. Du kannst dich auch vom vorgeschlagenen Text inspirieren lassen.

Was beschäftigt deine Figur, was ist ihr Problem? Wähle ein Problem aus der Liste aus oder erfinde ein neues.

Und nun nur noch zu dir: