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Mit einem Klick landest du mitten in der spukhaften Erzählwelt.

Lies das folgende Kapitel aus dem Roman »Spukhafte Fernwirkung« und nimm es als Ausgangspunkt für deinen eigenen Text. Durch Klick auf den Button hat du viermal die Möglichkeit einen neuen Textausschnitt anzufordern.

2015
20 Prozent

Ahri Shiwon wacht auf von der Musik, sie liebt diese Melodie, diese süße Melodie, die ihr Herz froh und traurig zugleich macht. Es ist ihr Lieblingslied und der Morgen ist ihre Lieblingstageszeit und heute ist auch ihr Lieblingstag, weil sie nicht zur Arbeit muss. Ahri hat Glück, denn heute soll der heißeste Tag des Jahres werden, ohne Regen oder zumindest mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 22 Prozent, weswegen sie nun ihr Bettzeug nimmt und sich auf den weichen Boden hinter das Haus legt. Ahri Shiwon liebt es, wenn die Sterne am Himmel langsam verblassen und die Sonne sich unter die Wolken schiebt. Viele der Sterne, die sie am Himmel sieht, sind längst erloschen. Sie existieren gar nicht mehr. Genau genommen existieren sie in ihrer eigenen Zeit nicht mehr und Ahri Shiwon fasziniert der Gedanke, dass auch sie selbst in ihrer eigenen Zeit nicht mehr existiert, aber noch sichtbar ist für andere Wesen, für Wesen, die in ihr einen Stern am Himmel sehen. Solange du ein Stern am Himmel bist, existierst du noch. Ahri Shiwon beschließt, diesen poetischen Satz gleich nach dem Frühstück aufzuschreiben, aber dann schläft sie wieder ein, und der Satz erlischt wie ein Stern am Himmel.

2015
Daten

Heimlich ist Ahri Shiwon in einen Mann verliebt, den sie einmal im Fernsehen gesehen hat, sie hat ihn nur ganz kurz gesehen, vielleicht zehn Sekunden lang, doch nie zuvor und auch nicht mehr danach war ihr Herz so sehr berührt wie vom Bild dieses Mannes. Der Mann tat nichts anderes, als an einem Rechner zu sitzen und mit unbewegter Miene auf den Bildschirm vor ihm zu starren, während seine schlanken, aber kräftigen Finger auf der Tastatur lagen und sich mit großer Geschmeidigkeit darauf bewegten. Ahri Shiwon hatte noch nie so sportliche Finger gesehen, sie spürte, wie sich in ihrem Schoß etwas zusammenzog und gleichzeitig öffnete, in einer einzigen Bewegung. Der Mann
sah aus wie ein Kriegsgott, nur dass er keine Waffen trug. Er gab Daten in einen Rechner ein. Um welche Daten es sich handelte, konnte Ahri nicht sehen, dafür konnte sie ein paar Sekunden lang das Profil des Mannes studieren. Ahri stellte sich vor, dass der Mann ein Leben lang auf diese unbewegliche Weise konzentriert sein würde und sie würde nie erfahren worauf. Nie würde er lachen oder weinen, weder schreien noch flüstern. Sein Gesicht wäre ein stummer Kommentar, sprechen würde sie allein mit seinen Händen und seine Hände mit ihren. Auch Ahris Hände sind schlank und kräftig. Sie hat ab sofort vier Hände. Den Mann nennt sie Puma. (In Wirklichkeit heißt er Wanja.)


141 / 96 mmHg

Der Patient auf der Sieben hat schon wieder gefragt, wieso man Tote eigentlich verbrennt und die Asche in den Wind verstreut, also dieser Brauch, hat er gesagt, woher kommt der eigentlich, irgendwann muss das ja entstanden sein, und Margit hat gesagt, weil das hygienischer ist, vor allem im Sommer, aber der Patient hat ihr nicht geglaubt, das hat Margit ihm angesehen. Immerhin hatte sie diesmal eine Antwort parat. Yasmin hat ihr den Tipp gegeben mit der Hygiene, Hygiene, hat Yasmin gesagt, ist immer ein Argument.

1985
Epagomene

Von den sieben Büchern, die Siri nach dem Ende ihrer Schullaufbahn der Bibliothek des Marie-Curie-Gymnasiums schenkt, handeln sechs von Weltrekorden und eins von Sonnensystemen, Lichtgeschwindigkeiten und warum die Zeit nur in eine einzige Richtung vergehen kann. Solche Sachen. Das Buch ist kindgerecht geschrieben, wird aber dennoch nur zweimal ausgeliehen, einmal von einer Schülerin der 10b namens Gülsen und einmal von Wanja aus der 9c, dessen Lieblingsfach Erdkunde ist. Beide lesen das Buch in einer astronomischen Geschwindigkeit durch und werden erst spät, etwa im Alter von Mitte 30, lernen, dass die überwiegende Mehrheit ihrer Mitmenschen keine Ahnung von astrophysikalischen Zusammenhängen hat. Weder Gülsen noch Wanja werden jemals den Wunsch verspüren, die Ahnungslosen aufzuklären. Sie brauchen doch nur das Buch zu lesen, denken
sie, unabhängig voneinander, denn die beiden haben sich zwar jahrelang auf dem Schulhof gesehen, aber keinerlei Berührungspunkte.
Gülsens Lieblingskapitel ist das über die Epagomene, und die Tatsache, dass bereits die Ägypter mit Schalttagen operierten, bestärkt sie in der Überzeugung, dass sicherlich jeder Mensch schon darüber nachgedacht hat, wie man das Problem Zeit mit dem Problem Nacht in Einklang bringt. Wanjas Lieblingskapitel ist das über die schwarzen Löcher, in denen die Zeit verschwindet. Einmal versucht er seinem Banknachbar Jens den Unterschied zwischen einem Wurmloch und einem Schwarzen Loch zu erklären; das Gespräch endet damit, dass Wanja Jens’ Federmäppchen aus dem Fenster wirft. Danach sind sie keine Freunde mehr. Weil das Buch so selten ausgeliehen wird, sortiert
es der Schulbibliothekar aus und spendet es der Bibliothek einer Jugendpsychiatrie.

Was interessiert dich an dieser Szene? Eine der Figuren? Der Ort? Ein bestimmtes Wort? Es kann auch sein, dass du ein Gefühl ausdrücken möchtest, eine Stimmung, die dich bewegt. Oder etwas, das du beobachtet hast und dich vielleicht schon länger beschäftigt.

Und noch etwas: Mach dir keine Sorgen um Grammatik und Rechtschreibung, etwaige Fehler werden von der 4. Perspektive korrigiert.

BEREIT?

Wo spielt deine Szene? Wähle einen Ort oder erfinde einen neuen. Du kannst auch Orte aus dem vorgeschlagenen Text nehmen.

Wer ist die Figur in deinem Text? Wähle eine Figur oder erfinde eine neue. Du kannst auch Figur(en) aus dem vorgeschlagenen Text nehmen.

Was mag deine Figur, was mag sie nicht? Wähle Vorlieben und Abneigungen aus oder denke dir selbst etwas aus, das zu deiner Figur passt. Du kannst dich auch vom vorgeschlagenen Text inspirieren lassen.

Was beschäftigt deine Figur, was ist ihr Problem? Wähle ein Problem aus der Liste aus oder erfinde ein neues.

Und nun nur noch zu dir: