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Lies das folgende Kapitel aus dem Roman »Spukhafte Fernwirkung« und nimm es als Ausgangspunkt für deinen eigenen Text. Durch Klick auf den Button hat du viermal die Möglichkeit einen neuen Textausschnitt anzufordern.

14:29 Uhr
Bank

In der Mittagspause geht Mathilda gerne ins Einkaufszentrum, nur ausgerechnet heute hat sie ihren Geldbeutel in der anderen Tasche vergessen, in der schwarzen, während sie heute morgen Lust auf die weiße Tasche gehabt hat, die mit den Haiapplikationen, die hat sie sich letztes Jahr gekauft, das war noch das Geld vom Erbe. Es war im Grunde die letzte Investition, dann war alles futsch, naja was solls. Sie streicht über die Haifischapplikation und setzt sich auf eine Bank und schaut in den Himmel und findet, dass es heute sehr leise ist, als hätte irgendwer die Welt angehalten. Weder scheint die Sonne noch regnet es. Noch nicht einmal die Krähen sind zu hören. Und wenig Spaziergänger, eigentlich gar keine. Mathilda schaut sich um. Niemand. Nur auf der anderen Seite, kurz vor dem Waldstück, läuft ganz allein ein kleiner Hund, er sieht aus, als würde er über irgendetwas nachdenken.

[1b . 0,5t = 0,5 bt]
Kaufpreis

Evi hat sich ein Brautkleid gekauft. Es ist weiß, hat eine Schleppe und Applikationen. Als die Verkäuferin sie auf die Applikationen hinweist, denkt Evi an Aprikosen und dass sie mit jemandem schlafen möchte. Sie kauft das Kleid und lässt es gleich an und setzt sich auf eine Bank am Busbahnhof. Der Bus hatte einen Unfall und kommt erst in einer halben Stunde. Eine Frau zieht einen Rollkoffer hinter sich her und wirft Evi einen Blick zu, der etwas in ihrem Zwischengehirn durcheinanderbringt. Ihr ist kalt und sie hat Hunger, sie bringt das Kleid zurück und bekommt den vollen Kaufpreis erstattet.

14:38 Uhr
Flur D

Als Clara Kalkofen den Schuss hört, der sie zu Fall bringt, ist sie nicht überrascht. Später wird sie sich genau das am öftesten fragen: Warum sie nicht überrascht war. Sie liegt auf dem harten Terraplanboden in Flur D im ersten Stock zwischen Body Shop und dm und stützt sich mit den Armen auf, um aufzustehen. Ihre Beine verweigern die Mithilfe. Einfach so. Bitte, sagt Clara. Sie sagt es nicht wehleidig, eher streng. Doch die Beine reagieren nicht. Einen Moment lang fragt Clara Kalkofen sich, ob sie überhaupt Beine hat. Sie schaut an sich selbst entlang, ein Gedanke geht ihr durch den Kopf, den sie nicht festhalten kann. Er spaziert durch sie hindurch wie ein Gespenst. Sie versucht sich daran zu erinnern, wie es war, als sie noch eine Verbindung zu den Beinen hatte. Sie starrt auf ihre Schuhe, es sind dunkelgrüne Lederstiefeletten, die sie vor zwei Monaten bei Salamander gekauft hat. Die Schuhe haben 89,90 Euro gekostet, sie waren heruntergesetzt, weil Salamander umbauen und vorher möglichst viele Produkte verkaufen wollte. Die Verkäuferin hatte ihr erklärt, dass Lagerware für das Unternehmen teurer sei als heruntergesetzte Artikel. Clara Kalkofen denkt über das Wort Lagerware nach und spürt ihre Beine nicht und weiß nicht, ob sie ihre Beine je gespürt hat.

09:20 Uhr
Zusage

Gleich nach der Konferenz hat Louise den Vertrag unterschrieben, es ist der erste Vertrag ihres Lebens, den sie unterschreibt, es fühlt sich komisch an, auf einmal hat sie eine Verbindung zu einem Gegenüber, das keine Person ist, sondern ein Gebilde, und sie weiß nichts über das Gebilde. Es wird vertreten von jemandem, den sie nicht kennt und der gar nicht weiß, dass es sie gibt, so wie die meisten Menschen nicht wissen, dass es Louise gibt, nur dass sie mit den meisten Menschen keinen Vertrag geschlossen hat. Den Praktikumsplatz hat Leni ihr besorgt, ich frag mal meine Mutter, hatte Leni gesagt, und einen Tag später: Wir geben dich als meine Cousine aus, die Sache geht klar. Noch nie zuvor in ihrem Leben war Louise eine Cousine, ihre Familie besteht aus Generationen von Einzelkindern. Cousins und Cousinen machen um diese Familie einen Bogen wie der Teufel ums Weihwasser. Es fühlte sich einen Tag lang an, als gehöre sie nun zur Familie, nur dass sie nicht mit Nachnamen Sollinger heißt, sondern anders, ist aber kein Problem, als Cousine kein Problem. Vieles ist kein Problem, wenn man Cousine ist. Und tatsächlich hatte sie schon bald ein Vorstellungsgespräch bei Valentina, die fahrig und unkonzentriert wirkte und überhaupt kein Interesse zu haben schien an Louise, aber am nächsten Tag kam die Zusage und heute ist es genau zwei Wochen her, dass sie im Team ist. Und seitdem hat sie jeden Morgen das Gefühl, dass sie gleich wieder entlassen wird, weil sie immer noch nicht den Vertrag unterschrieben hat. Sie hätte es Leni sagen können, aber irgendwie geht das auch nicht. Aber jetzt ist ja alles gut. Vertrag ist Vertrag. Louise ist Cousine.

Was interessiert dich an dieser Szene? Eine der Figuren? Der Ort? Ein bestimmtes Wort? Es kann auch sein, dass du ein Gefühl ausdrücken möchtest, eine Stimmung, die dich bewegt. Oder etwas, das du beobachtet hast und dich vielleicht schon länger beschäftigt.

Und noch etwas: Mach dir keine Sorgen um Grammatik und Rechtschreibung, etwaige Fehler werden von der 4. Perspektive korrigiert.

BEREIT?

Wo spielt deine Szene? Wähle einen Ort oder erfinde einen neuen. Du kannst auch Orte aus dem vorgeschlagenen Text nehmen.

Wer ist die Figur in deinem Text? Wähle eine Figur oder erfinde eine neue. Du kannst auch Figur(en) aus dem vorgeschlagenen Text nehmen.

Was mag deine Figur, was mag sie nicht? Wähle Vorlieben und Abneigungen aus oder denke dir selbst etwas aus, das zu deiner Figur passt. Du kannst dich auch vom vorgeschlagenen Text inspirieren lassen.

Was beschäftigt deine Figur, was ist ihr Problem? Wähle ein Problem aus der Liste aus oder erfinde ein neues.

Und nun nur noch zu dir: